Warum wir am Drachenbootfest Zongzi essen

Am 3. Juni 2022 ist Drachenbootfest in China, was mich direkt ein bisschen nostalgisch macht, denn das war immer mein Lieblingsfeiertag in China.
Das Drachenbootfest ist neben Chinese New Year und dem Mid Autumn Festival (Mondfest) einer der wichtigen beweglichen Feiertage im chinesischen Jahreszyklus. Der chinesische Name Duan Wu Jie, 端五节 hat übrigens gar nichts mit Drachenbooten zu tun!
Drachenbootfest und Zongzi – das gehört in China in etwa zusammen so wie die Maß Bier und das Oktoberfest in München. Aber fangen wir besser von vorne an…!

Eine Frau macht Zongzi für das DrachenbootfestDas chinesische Drachenbootfest

Das Drachenbootest wird auch gern Doppel-Fünf-Fest genannt, da es immer auf den 5. Tag des 5. Monats im Chinesischen Mondkalender fällt. Das mit der Zählweise stimmt schon so, denn das chinesische Jahr fängt ja frühestens Ende Januar an, je nach dem ersten Frühjahrsvollmond.

Ein unglückbringender Monat ist das altem Aberglauben gemäß, in dem man sich vor viel giftigem Viehzeug wie Skorpionen, Schlangen oder Tausendfüßlern schützen muss, und ganz generell vor allerhand Krankheiten. Traditionsgemäß bindet man stark riechende Kräuter – Beifuß ist immer dabei – in Buschen an die Haustüren und fertigt kleine Duftsäckchen an, die man auch am Körper oder in der Tasche tragen kann.

Was Drachenboote und Klebreis mit einem Dichter zu tun haben

Beide Traditionen sind eng mit Qu Yuan verbunden. Er war ein Poet und zudem Minister im Staate Chu. Er lebte um etwa 300 v. C. in der Zeit der Streitenden Reiche und gilt als Chinas erste historisch belegbare Dichterpersönlichkeit.
Als sein König sich mit dem gegnerischen Staat Qin verbündete, protestierte Qu Yuan gegen diese Allianz und wurde daher vom Hof nach Changsha verbannt, Hauptstadt der heutigen Provinz Hunan. Etliche Jahre später marschierten die ehemaligen Alliierten in den Staat Chu ein, was Qu Yuan dazu veranlasste Selbstmord zu begehen, indem er sich im nahen Miluo Fluss ertränkte.

Der Selbstmord Qu Yuans

Der Legende nach ruderten die Einheimischen flugs in ihren Booten hinaus, um den von ihnen verehrten Qu Yuan zu retten oder um wenigstens noch seinen Leichnam zu bergen. Dabei veranstalteten sie einen Riesenlärm mit Trommeln und auch durch das Schlagen der Paddel auf die Wasseroberfläche. Damit wollten sie Fische und böse Wassergeister vertreiben, während sie nach Qu Yuan suchten.

Da ihnen dies nicht gelang, so geht die Sage, warfen sie in Bambusblätter gewickelte Reispäckchen in den Fluss, auf dass die Fische durch diese abgelenkt den Toten verschonen würden.

Was sind Zongzi?

Sucht man nach einer Übersetzung, so findet man dafür „Klebreis-Bällchen“ oder „sticky rice dumplings“. Beides wird den leckeren, kunstvoll in ein Schilf- oder Bambusblatt gewickelten Köstlichkeiten auf Basis von Reis auf keinen Fall gerecht. Aus meiner Zeit in Shanghai kenne ich die Zongzi in perfekte Tetraeder-Form gewickelt und mit Pflanzenfasern fest verschnürt.

Die Füllung der Zongzi

Gefüllt sind sie mit Schweine- oder  Nüssen oder Speck im klebrigen Reis. In die klassische Füllung gehören üblicherweise: Schweinebauch, Pilze, rote Datteln, Shrimps (getrocknet oder frisch), Frühlingszwiebeln, Gewürze, Sojasauce, manchmal auch Sprossen, Erdnüsse oder Kastanien. Auch Hühnerfleisch, Pilze oder Bohnen können unter den Reis gemengt werden. Rezepte für diese gedämpften Köstlichkeiten gibt es unzählige, wobei diese von Region zu Region und selbstverständlich auch von Familie zu Familie variieren.

Beide Traditionen sind bis heute lebendig in China, das Drachenbootfest hat es 2009 sogar auf die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes“ der UNESCO geschafft. Wie alle chinesischen Feiertage richtet sich auch dieser nach dem Mondkalender und ist daher beweglich. Wem es zu kompliziert ist, den 5. Tag des 5. Monats im chinesischen Kalender für diesen Feiertag auszurechnen, der kann das jeweilige Datum mit zwei Klicks im Internet recherchieren.