76 Jahre Bikini: Happy anniversary

Der 5. Juli gilt als „Tag des Bikinis“.
Was vor guten 70 Jahren die westliche Welt als neu und skandalös erschütterte, ist allerdings ein „alter Hut“. Schließlich blickt der Bikini auf eine lange Geschichte zurück. Antike Wandmalereien, Mosaiken oder Keramiken aus dem 4. Jahrhundert zeigen bereits Sportlerinnen knappen Zweiteilern. Zudem war das Bandeau-Oberteil damals offensichtlich auch schon erfunden!

Illustration Bikini auf Wäscheleine

Allein beim Bikini-Oberteil gibt es inzwischen zahlreiche Variationen: Bandeau. Push-Up, Balconette, Triangel, Neckholder, mit oder ohne Bügel, vorgeformte oder nicht vorgeformte Bikini-Cups… Bildnachweis: pixabay

Der Bikini im 20. Jahrhundert – ein Bombenerfolg?

Trotz der Tatsache, dass er im Lauf der Jahrhunderte etliche modische Vorbilder hatte, schlug die Präsentation des ersten Nachkriegs-Bikinis auf einer Pariser Modeschau am 5. Juli 1946 im wahrsten Sinn des Wortes ein wie eine Bombe. Obwohl es zeitgleich konkurrierende Designs gab, gilt Louis Réard, ein französischer Maschinenbau-Ingenieur, als Vater des neuzeitlichen Zweiteilers.

Aus damaliger Sicht skandalös war allerdings nicht der Name des Zweiteilers.
Vielmehr galt dieser als großartiger Marketingcoup mit Potential. Die Assoziation mit dem Abwurf einer Atombombe auf das namensgebende Bikini-Atoll wenige Tage zuvor war demnach durchaus beabsichtigt.
„Exotik“ und „durchschlagende Wirkung“ gingen dem Erfinder der vier mit Kordeln verbundenen Stoffdreiecke dabei wohl durch den Kopf.

5. Juli 1946: Auf dem Laufsteg in Paris

Als skandalträchtig und obszön galt in der prüden Nachkriegskultur nicht der Name, sondern das damit bezeichnete bisschen Stoff, das mehr ent- als verhüllte. Réard ließ seine „schamlose“ Badebekleidung stilgerecht im Schwimmbad Piscine Molitor in Paris vorführen. Und zwar von Micheline Bernardini, einer Nackttänzerin aus dem Casino de Paris, was den Skandal umso mehr befeuerte. Ebenso wie es vermutlich die Männerwelt begeisterte…

Zur Kulturgeschichte des Bikinis gäbe es noch viel zu erzählen.
Der Bikini sorgte für großes Kino und inspirierte nicht nur Modemacher und Regisseure.
Ob Marilyn Monroe, der Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini, die Bardot oder Ursula Andres in “James Bond – 007 jagt Dr. No”… Im Grunde genommen beflügeln der knappe Zweiteiler und seine Trägerin seit jeher die Fantasie von Fans. Und Feinden.

Pinkfarbiger Bikini

Keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit: der Bikini.
Bildnachweis: pixabay/stux

Über 70 Jahre Mode- und Sprachkreationen rund um den Bikini

Sprachgeschichtlich gesehen spannend ist die Tatsache, dass der Bikini im modernen Verständnis häufig überhaupt nicht mehr mit dem gleichnamigen Atoll der Marshallinseln in Verbindung gebracht wird. Denn etymologisch inkorrekt wird das „bi“ mittlerweile nämlich als lateinisch für „zwei“ interpretiert.
Ein Zweiteiler eben!

Und so kam es im Lauf seiner 75jährigen Geschichte zu weiteren Neuschöpfungen rund um den Bikini.
Sowohl in modischer als auch sprachlicher Hinsicht:

  • Der „Monokini“ mit der griechischen Vorsilbe für „eins“ bezeichnet den Bikini, dessen Ober- und Unterteil auf raffinierte Weise miteinander verbunden sind.
  • Beim „Burkini‘‘ dagegen verschmolzen die beiden Begriffen „Burka“ und „Bikini“. Mittlerweile gilt das Wort als Gattungsoberbegriff für Badebekleidung muslimischer Frauen.
  • „Borat“ sorgte im Film von 2006 mit seinem „Mankini“ für Schlagzeilen.
  • Wer in China und Asien reist, kennt die an Sturmhauben oder Balaklavas erinnernden„Facekinis“. Zum ersten Mal wurden diese angeblich 2004 im chinesischen Qingdao getragen. Mittlerweile sind sind überall an Asiens Stränden vertreten. Ein Schutz gegen Sonne, Salzwasser und Hautalterung.

Hoch lebe also der Bikini in all seinen Variationen und die damit verbundene Kreativität von Mode- und Wortschöpfern.

Happy Bikini-Day!

PS: Habe ich einen Verwandten des Bikinis vergessen?

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